Rezension #2 – Trails of Tucana

Trails of Tucana war ein Spontankauf, der eigentlich nur dazu gedacht war, ein wenig den lokalen Spieleladen in der Heimatstadt meiner Freundin zu unterstützen. Warum ich die kleine Schachtel nun sogar gestern in der Arbeit dabei hatte, um mir die Mittagspause zu versüßen, lest ihr in meiner nun folgenden kleinen Rezension.

Trails of Tucana ist ein sogenanntes Flip-and-Write Spiel für 1 – 8 Spieler ab 8 jahren von Eilift Svensson & Kristian Østby mit Illustrationen von Gjermund M. Bohne erschienen 2019 im Original bei aporta games und im deutschen 2020 bei Pegasus Spiele. Gespielt wird 15 bis 30 Minuten.

Kleine Box, wenige Komponenten – ein absolutes Reisespiel

Der Spielverlauf – Umdrehen und Strichlein zeichnen

Ein wenig verwirrt bin ich ob der vielen Bezeichnungen für Spielmechaniken ja schon noch manchmal. Boardgamegeek sagt mir, dass ich hier bei einem Flip-and-Write Spiel gelandet bin, vermutlich, da man in Trails of Tucana zwei bis drei Runden damit verbringt, Landschaftskarten aufzudecken und Striche auf eine kleine, hübsche Karte mit Seeungeheuern, Trollen und Tucanen zu malen. Die Idee ist so einfach wie… naja, wunderbar eben. Genial ist mir jetzt zu platt.

Der doppelseitig bedruckte Block liefert euch zwei verschiedene Karten, auf denen ihr mit Strichen Dörfer und Objekte miteinander verbindet. 27 Landschaftskarten, deren fünf Typen mit denen auf eurer Karte korrespondieren, werden gut gemischt und als verdeckter Stapel auf dem Tisch platziert. Nun ist es am zufällig ausgewählten Oberhaupt, für jeden Strich, den die Spieler setzen dürfen, zwei Karten aufzudecken. Zeigen die Karten zum Beispiel einmal Wüste und dazu ein schönes Wäldchen, so ist es an allen Spielern, einen Wald mit einer Wüste zu verknüpfen. Ziel ist es, so Pfade zwischen zwei Dörfern mit dem gleichen Buchstaben anzulegen, sowie diverse Objekte (Obelisken, Trolle, Seeungeheuer – was man eben so findet) mit ihnen zu verbinden. Denn beides gibt entweder schon während des Spiels oder in der Schlussabrechnung reichlich Punkte. Alles in Runde 1 verbundene wird sogar noch ein zweites mal in Runde 2 gezählt und beim zweiten verbundenen Objekt der gleichen Art gibt es sogar einen Bonusstrich, den ihr komplett frei setzen könnt. Am Ende hat eine Person die Pfade von Tucana am erfolgreichsten freigeräumt. Ist sie am erfolgreichsten gewandert. Okay, die Anleitung sagt ersteres ist richtig, ihr räumt Pfade für die Einheimischen einer längst in Vergessenheit geratenen Inselgruppe frei. Das klingt nach Freiwilligenarbeit für Abiturienten und Studierende. Vermutlich möchte die Tucana Ökotrails Volunteering Corporation also noch 700 Euro pro Spielminute von euch.

Von oben nach unten: Bonuskarten -> Stapel mit Terrainkarten -> Spielblock mit Stift und Aufbaukarte.

Für etwas Abwechslung sorgt die Verteilung der Buchstaben für die Dörfer. Eine zufällig gezogene Aufbaukarte gibt am Anfang des Spiels vor, welche Dörfer eigentlich die stolzen Namen A, B, C, D und E tragen dürfen. Und damit natürlich, welche verschlungenen Pfade ihr am besten wählt, um unterwegs noch das ein oder andere Seeungeheuer mitzunehmen. Das Oberhaupt fängt mit dem Eintragen der Buchstaben beim rot hinterlegten an, der nächste Spieler im Uhrzeigersinn mit dem danach. So bildet sich ein asymmetrischer Spielaufbau – den ihr natürlich auch symmetrisch machen könnt, sofern ihr dies bevorzugt.

Seid ihr die erste Person, die zwei Dörfer mit identischen Buchstaben verbinden, winkt euch außerdem eine Bonuskarte, für die es entsprechend auch Bonuspunkte am Ende des Spiel gibt.

Die Inseln hören übrigens auf die griffigen Namen „Isla Petit“ und „Isla Grande“. Die eine ist eher klein und spielt sich über zwei Runden, die andere größer und wird somit drei Runden lang bemalt. Daraus ergibt sich auch die Differenz in der angegebenen Spielzeit. 10 bis 15 Minuten sind für die kleine Insel durchaus realistisch, 30 beim wandern auf der Isla Grande aber durchaus ebenso möglich. Ich glaub ja beinahe, da hat sich jemand was gedacht bei der Namensgebung!

Im direkten Vergleich: links die Isla Grande, rechts die Isla Petit. Oben links: Wanderproviant.

Weitere Varianten finden sich am Ende des Regelheftes. Die Buchstaben beim Aufbau gegen den Uhrzeigersinn eintragen? Jeder trägt die Buchstaben an den gleichen Stellen ein? Eine zufällige Zahl nennen und an dieser Stelle anfangen? Alles dabei. Und alles verändert den Spielverlauf nur marginal.

Der X-Faktor

Trails of Tucana ist so leicht und familienfreundlich, dass der natürlich eine große Rolle spielende Zufall so überhaupt kein Problem ist. Auf jeder Blockseite steht, wieviele Karten es von welchem Landschaftstypen gibt, so dass man zumindest grob abschätzen kann, wie wahrscheinlich es noch ist, dass man jetzt endlich noch diesen doofen Tucan mit irgendeinem Dorf verbunden bekommt, um dann diesen Bonusstrich zu ergattern, der wiederum dafür sorgt, dass Dorf Oma Lisl aus Dorf E endlich ihre Enkel im Schwesterdorf besuchen kann. Und bei aller sozialen Ader mir noch 10 Punkte dabei liefert, ohne die vermutlich sowieso keine Chance besteht, das Ding noch zu gewinnen.

Bei dem Versuch, sich möglichst effizient durch Wald, Wasser und Wüste zu schlängeln geht auch mal was schief, und dafür kann man oft nichts. Aber man hat durchaus die Möglichkeit wider jeden Widerstandes (jeder Menge unpassender Kartenkombinationen) zu bestehen, indem man sich mehr Optionen offen hält. Wüste – Wüste? Schon wieder? Verdammt! Kann ich ja jetzt überhaupt nicht brauchen. Mh. Aber vielleicht später. Vielleicht mache ich den hier hin, dann habe ich später eine weitere Möglichkeit, die Dörfer zu verbinden, falls Wald – Gebirge doch nicht mehr kommt!

Eine Solopartie. Wüste – Wasser. ZUM FÜNFHUNDERTSTEN MAL!!!

Fazit & Wertung

Trails of Tucana verbindet ein schnörkelloses wie tolles Design mit knuffigen Illustrationen so wie ich in meiner letzten Solopartie Dorf C mit Dorf D. Zu mäkeln habe ich nur sehr wenig, möchte aber die arg geringe Interaktion mit den Mitspielern hervorheben. Ja, vielleicht nimmt mir mal jemand eine Bonuskarte weg, weil er zwei Dörfer zuerst verbunden hat, gerade bei Gruppen ab vier Personen. Aber im Grunde spielen wir alle alleine in unseren kleinen Parallelwelten. Auch die Varianten rütteln nur wenig am berühmten Hocker – Dörfer benennen gegen den Uhrzeigersinn? Uiuiui! Dennoch, dieses Spiel ist hochgradig suchterregend*, beinahe sofort zugänglich und von allein bis Großfamilie und von jung bis Oma Lisl wunderbar spielbar. Absolute Kaufempfehlung.

Pro

  • kleines, flottes Spiel für eigentlich jeden
  • hübsch illustriert
  • auch für große Gruppen geeignet
  • hervorragend über Skype spielbar
  • auch Solo hervorragend spielbar
  • Block gibt’s auch online zum ausdrucken

Contra

  • ein wenig mehr echte Varianten hätten nicht geschadet
  • Die Interaktion zwischen den Spielern beschränkt sich auf die Jagd nach Bonuskarten

8 / 10

*Suchterregend – in aller Regel als Kompliment gemeint und vielleicht dennoch nicht nur super wenn man seine Pause so deutlich überzieht wie ich gestern. Würde ich ja jetzt auch nicht in eine Rezension zu…. sagen wir Schokolade schreiben. Kommt deswegen auch nicht in die „Pro“-Liste.

2 Kommentare zu „Rezension #2 – Trails of Tucana

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