Interview: Skellig Games

Die Sicht der Spieler auf die Corona Krise und ihre Auswirkungen lese, höre und sehe ich regelmäßig in den sozialen Medien. Die Sicht der Verlage eher selten. Daher habe ich mich mal aufgemacht und frage bei Verlagen nach, wie diese, Achtung, Plattitüdenalarm, turbulenten Zeiten denn Spuren bei ihnen hinterlassen. Den Anfang macht Skellig Games, ein junger Verlag, der Brocken wie „On Mars“ und „The Gallerist“ von Vital Lacerda, aber auch Familienspiele wie „Die Insel der Katzen“ von Frank West nach Deutschland bringt. Den lieben Thomas habe ich zum aktuellen Line-Up, dem Ausfall von Veranstaltungen und die Auswirkungen von Corona auf den Verlag gesprochen. Es wurde per E-Mail geführt. Meinen herzlichsten Dank für die Antworten und euch allen viel Spaß beim Lesen!

Quelle: Skellig Games

Hallo Thomas, schön, dass du ein wenig Zeit für meine Fragen hast. Vielleicht kannst du für Leser, die euch noch nicht kennen, ein paar Worte zu dir bzw. Skellig Games erzählen. Wer und was ist Skellig Games? Was sind deine Tätigkeiten dort?

Skellig Games ist der kleine Verlag für großes Spielvergnügen. Zumindest steht es so auf unsere Facebook-Seite. Und eigentlich trifft es das auch ganz gut. Wir sind wirklich noch ziemlich mini und machen das Ganze komplett nebenbei, quasi als Hobby. Trotzdem haben wir mittlerweile schon einige Spiele im Portfolio und arbeiten mit vielen spannenden Autoren zusammen. Wir vertreiben beispielsweise alle Spiele von Vital Lacerda im deutschsprachigen Raum. Zusätzlich haben wir auch schon einige andere Spiele wie zum Beispiel Die Insel der Katzen/The Isle of Cats von Frank West für den deutschsprachigen Raum lokalisiert. Besonders stolz sind wir auf unsere eigenen Spiele und Spiele von verschiedenen Autoren, die wir als absolute Neuheiten auf den Markt bringen. Wen genauer interessiert, was das für Spiele sind, findet unter www.skellig-games.de weitere Infos.

Wir sind also trotz unserer geringen Größe sehr breit aufgestellt und lokalisieren, lizensieren, entwickeln und verlegen Spiele vom einfachen Familienspiel bis hin zu den Kloppern von Vital Lacerda.

Bevor wir zum großen Krisen-Talk kommen erstmal zu eurem Line-Up in diesem und im nächsten Jahr. Was kommt, und wann kommt es?

Wir haben dieses Jahr schon einiges an Neuheiten angekündigt oder auf den Markt gebracht. Dazu gehören die Spiele unseres amerikanischen Partners Eagle-Gryphon Games, die wir im deutschsprachigen Raum vertreiben. Im einzelnen sind das: Age of Steam und Francis Drake, die wir seit Anfang des Jahres vertreiben. Außerdem werden bis Ende des Jahres noch Rococo Deluxe, Fleet The Dice Game und Kanban EV, jeweils als deutsche Version, dazukommen. The Gallerist von Vital Lacerda gibt es schon länger in unserem Shop. In Kürze werden wir dazu dann auch die Regeln und Spielerhilfen auf Deutsch anbieten. Vielleicht folgt dann bis Ende des Jahres noch eine weitere Übersetzung eines „Lacerda Spiels“. Mit Hardback und Fugitive haben wir zu Jahresbeginn erstmals Spiele von Tim Fowers lokalisiert bzw. in unser Portfolio mit aufgenommen. Und da wird auch noch was kommen und zwar was ganz Großes! Mehr darf ich dazu aber noch nicht verraten. An eigenen Spielen haben wir ja bereits Die Insel der Katzen, Sagani von Uwe Rosenberg und Oracle von Stefan Dorra angekündigt. Vielleicht packen wir bis zum Jahresende auch noch die ein oder andere Überraschung obendrauf. Aber ich glaube wir sind auch so schon ganz gut beschäftigt 😉.

Vorläufiges Cover. Quelle: Skellig Games

„Sagani“ stammt von niemand geringerem als Uwe Rosenberg. Die Kurzanleitung lässt ein kleines Plättchenlegespiel für Zwischendurch vermuten, das auf den ersten Blick aber eher solitär wirkt. Was ist bei diesem Spiel die Besonderheit, was für ein Spiel dürfen wir erwarten?

Sagani hat sehr einfach Regeln, aber eine große taktische Tiefe, damit ist es für Familien und Vielspieler gleichermaßen geeignet. Durch den relativ zugänglichen Mechanismus bleibt genug Zeit und Übersicht, um auch die Auslage des Gegners im Auge zu behalten und so durchaus mal gezielt angebotene Plättchen wegzunehmen. Durch die häufige Erfüllung eigener Ziele winken immer wieder kleine Erfolgserlebnisse, und mit cleverem Spiel kann ich auch viele Plättchen auf einmal erfüllen. Gegen Ende entwickelt sich ein spannendes Wettrennen, denn man hat das Ziel und die Punkte der anderen Spieler immer im Blick.

Wie kam der Kontakt mit Uwe Rosenberg zustande? War die Idee zum Spiel da schon geboren? Bei Uwe Rosenberg stelle ich mir das immer so vor, dass er einen ganzen Schrank voll mit guten Ideen hat und da jedes Jahr einfach einige von herausholt.

Der Kontakt zu Uwe kam in Bielefeld zustande. Wir haben dann mehrmals miteinander telefoniert. Dabei hat die Chemie so gut gepasst, dass wir beschlossen haben, gemeinsam etwas zu machen. Und wie du sagst: Uwe hat seinen Schrank geöffnet und da war die Idee zu Sagani schon drin. Wir haben das Spiel dann getestet noch ein paar Änderungsvorschläge an Uwe weitergegeben, ein Thema ausgewählt und schon konnte mit Lukas Siegmon ein hervorragender Designer an Bord genommen werden, der dem Spiel dann sein farbenprächtiges Kleid verliehen hat.

Frank West hat „The Isle of Cats“ im letzten Jahr erfolgreich auf Kickstarter finanziert, auch ich war da mit dabei und bereue das auch keinesfalls. Hätte ich aber gewusst, dass es eine deutsche Version geben wird, hätte ich vermutlich gewartet. Ich könnte mir vorstellen, dass es vielen so geht. Jetzt besteht ja inzwischen eine Partnerschaft zwischen euch und Eagle-Gryphon Games, im Kickstarter zu Kanban EV konnte man also direkt sehen, es gibt eine deutsche Version und ich kann sie auch direkt vorbestellen. Ist das etwas, dass ihr euch auch mit anderen Verlagen in Kooperation vorstellen könntet?

Klar! Das ist natürlich super für alle Backer, wenn man schon bei der KS-Kampagne sieht, das Spiel wird es auch auf deutsch geben und ich kann es jetzt gleich backen. Bei Die Insel der Katzen war das leider nicht möglich, weil wir auch erst auf das Spiel aufmerksam geworden sind, als die Kampagne schon lief. Jetzt ist der Kontakt zu Frank aber da und so besteht die Chance, dass wir bei seinem nächsten Spiel schon früher mit im Boot sind. Inwieweit das mit anderen Verlagen auch möglich ist, ist sehr unterschiedlich. Wir hätten zumindest nichts dagegen, wenn uns JEDER Verlag, der ein gutes Spiel herausbringt, vorher fragen würde, ob wir dabei sein wollen, bevor die KS-Kampagne startet 😉.

Quelle: Skellig Games

Es kommt dann doch eher selten vor, dass deutsche Versionen direkt über einen Kickstarter zu haben sind. Hast du eine Idee woran das liegen könnte? Möchten die meisten Verlage vielleicht erst die Resonanz zum fertigen Spiel abwarten?

Als Verlag muss ich natürlich genau abwägen, wie ich meine Ressourcen, also Geld und Zeit, investiere. Auch wenn es nicht so aussieht, aber eine Lokalisierung ist immer eine Menge Arbeit, und das meiste davon muss ich ja aus Marketing-Gründen schon fertig haben, bevor die Kampagne an den Start geht. Das kann ich nicht beliebig oft machen, insofern muss ich meine Kampagnen als Verlag genau auswählen. Das ist nicht immer so einfach.

Im nächsten Jahr soll „Mercado de Lisboa“ erscheinen, ein kleines Plättchenlegespiel von Vital Lacerda. Kannst du schon sagen, ob ihr da auch mit an Bord mit einer deutschen Version seid?

So wie es im Moment aussieht, werden wir mit einer deutschen Version am Start sein. Das ist aber noch ein Vielleicht.

Vital Lacerda ist bekannt dafür, Expertenspiele zu entwickeln. Da sprechen wir sicherlich auch von einem eingeschränkten Käuferkreis. Muss man sich das so vorstellen, dass die Familienspiele die Schäfchen für solche Nischenspiele ins Trockene bringen, sprich, dass mit einem „On Mars“ oder „Kanban EV“ einfach nicht so viele Verkäufe zu erzielen sind wie mit einem „Die Insel der Katzen“, mit niedlichem Thema und sogar speziellen, vereinachten Regeln für Familien?

Ja, von der Stückzahl her mag das vielleicht stimmen. Aber für die trockenen Schäfchen ist ja der Umsatz verantwortlich und der ergibt sich immer aus Stückzahl und Preis. Das heißt, ich muss drei Die Insel der Katzen verkaufen, um denselben Umsatz zu machen, wie mit einem Lisboa Deluxe. Von daher sind wir auch mit dem Umsatz bei den Lacerdas ganz zufrieden. Bei Vital kommt hinzu, dass er inzwischen eine feste Fan-Gemeinde hat, so dass man auch mit dem „eingeschränkte Käuferkreis“ auf eine angemessene Stückzahl kommt.

Wie selektiert ihr eure Spiele eigentlich? Tretet ihr in Kontakt mit kleineren Verlagen, konkret zu einem Spiel, von dem es noch keine deutsche Ausgabe gibt? Scoutet ihr auch direkt für kleine Ideen von Autorenneulingen auf Veranstaltungen?

Ja. Wir schauen uns überall um, wo es interessante Spiele oder Ideen gibt, und bewerten die dann. Wenn uns ein Spiel gefällt, wollen wir das dann auch im Portfolio haben. Manchmal müssen wir uns sogar eher zügeln, weil so viele tolle Spiele darauf warten, veröffentlicht zu werden, aber mehr als circa ein Spiel im Monat schaffen wir aktuell leider noch nicht. Aber auch daran arbeiten wir (und jeder der das hier liest, kann uns dabei unterstützen, in dem er unsere Spiele kauft 😉)

Um ein großes Thema kommen wir jetzt aber nicht mehr herum, das C-Wort. Zuerst einmal: Beeinflusst die Situation um das Virus eure Produktion? Verzögern sich Spiele, die ihr in diesem und im nächsten Jahr veröffentlichen wollt? Sind eure Arbeitsabläufe anders geworden?

Wir hatten vorübergehend ein paar Probleme, Vorabexemplare für uns und Rezensenten von den Spielen zu bekommen, die jetzt dann erscheinen. Aber das war nur zwei oder drei Wochen ein Thema und ist jetzt vom Tisch. Unsere Produktion wurde bisher noch nicht beeinträchtigt und ich hoffe auch, dass das so bleiben wird. Auch unsere Arbeitsabläufe (wir machen das alles wie gesagt nebenher und von zu Hause aus) sind durch Corona in keiner Weise beeinträchtigt worden. In dieser Hinsicht hatten wir echt Glück und sind gut durch die Krise gekommen. Nur die zahlreichen Messen, auf denen wir gerne gewesen wären und die abgesagt wurden, vermissen wir. Da hätten wir gerne mit den Besuchern gespielt und direktes Feedback zu unseren Spielen genauso wie neue Ideen und Anregungen bekommen.

Bremst die Situation den Verlag Skellig Games als Ganzes? War oder ist sie gar existenzbedrohend für euch?

Natürlich fehlen uns die Verkäufe auf den Messen und auch bei den Händlern haben wir eine Zeit lang gemerkt, dass die mit ihren Bestellungen eher zurückhaltend waren, was ja klar ist, wenn sie ihre Geschäfte nicht öffnen dürfen. Wir haben aber versucht, die Händler während der Krise so gut wir das als kleiner Verlag können, zu unterstützen. Zusätzlich kommt uns zugute, dass wir mit extrem geringen Verwaltungs- bzw. fixen Kosten zurechtkommen. So können wir zusammen mit unseren Händlern die Krise gut meistern.

Gibt es Spiele, deren Veröffentlichung ihr geplant hattet, die jetzt aber vielleicht gar nicht mehr zu realisieren sind, schlicht weil Verkäufe weggebrochen sind, oder Zeitpläne sich geändert haben?

Nein, glücklicherweise nicht!

Wie vernetzt seid ihr inzwischen mit anderen Verlagen? In einem Interview mit Julia von „Spiel doch mal…“ in Darmstadt aus dem November 2019 habe ich gehört, dass ihr schon erste Kontakte geknüpft habt und eventuell kleine Kooperationen geplant habt. Gibt es dazu schon neues? Gar ein gemeinsames Projekt einer Lokalisierung zusammen mit einem anderen Verlag?

Ja. Wir arbeiten nach wie vor eng mit Eagle-Gryphon Games zusammen. Darüber hinaus sind wir mit Fowers Games in Kontakt und werden nach Hardback und Fugitive in Kürze ein weiteres Spiel von Tim Fowers auf den Markt bringen. Zusätzlich arbeiten wir inzwischen mit Autoren wie Uwe Rosenberg, Stefan Dorra und Frank West zusammen und pflegen ein immer größer werdendes Netzwerk zu Rezensenten und Influencern im Brettspielmarkt. Hierzu gehören unsere Freunde von den BrettspielSuchties, die immer tolle Regelvideos zu unseren Spielen drehen, aber auch Hunter und Cron, der Spieleblog und viele, viele andere.

Der sonst so prall gefüllte Veranstaltungskalender ist dieses und in Teilen wahrscheinlich auch nächstes Jahr für den Papierkorb. Wie sehr trifft euch das, gerade als kleinen Verlag?

Das trifft uns tatsächlich. Jetzt nicht unbedingt wirtschaftlich. Die Einnahmen und Ausgaben bei einer Messe sind wenn man alles mit reinrechnet nahezu identisch, Essen vielleicht mal ausgenommen. Aber natürlich wollen wir wachsen und bekannter werden. Da fehlen uns die Messen ganz erheblich. Umso wichtiger ist unser eben angesprochenes Netzwerk. So bleiben wir auch ohne Messen so gut es geht mit der Szene, und über die Rezensenten und unsere eigenen Social-Media Kanäle mit all den Brettspiel-Begeisterten, die wir sonst auf der Messe treffen, in Kontakt. Aber natürlich kann das ein reales Zusammenkommen und die Atmosphäre wie beispielsweise beim „jährlichen Treffen der Brettspiel-Familie“ in Essen nicht ersetzen.

Auch die „Spiel“ in Essen findet 2020 ausschließlich digital statt. Das ist schon für mich als Spieler ein ziemlicher Schlag. Wie ist die Situation für euch? Essen gilt ja auch als Verkaufsmesse. Bricht euch da ein wichtiger Teil eures Umsatzes weg?

Ja. In Essen war tatsächlich immer ein guter Absatz möglich. Aber natürlich bedeutet ein Stand in Essen auch Aufwand und Kosten. Am meisten werden wir das Treffen mit anderen Brettspiel-Fans und den Austausch vermissen. Essen als Plattform zum Auffrischen oder Knüpfen von Kontakten ist gerade für uns als kleiner Verlag unersetzlich. Das werden wir in 2021 wahrscheinlich schon etwas zu spüren bekommen.

Werdet Ihr an der digitalen „Spiel“ teilnehmen? Habt ihr schon konkretere Informationen, wie diese ablaufen soll, oder hast du vielleicht ein paar eigene Ideen, was euch helfen würde? Ich bin  mir sicher, wir kriegen das Interview an Dominique Metzler von der „Spiel“ weitergeleitet 😉 .

Wir haben auch noch keine konkreten Infos. Aber ich bin mir sicher, dass da etwas Gutes auf die Beine gestellt wird und dann sind wir sicher mit dabei.

Hunter & Cron befragen zur Zeit ihre Community, ob Interesse an einem kleinen Open Air Event bis 1000 Teilnehmer in Berlin besteht. Eine der Ideen dazu ist, Verlage mit einer Art Marktstand dort Spiele anbieten zu lassen. Wäre das für euch als Verlag theoretisch denkbar? Lohnt sich das mit einer so geringen Teilnehmerzahl?

Solche Events sind für uns immer spannend. Große Messen wie Essen haben ihren eigenen Reiz, aber gerade auf kleinen Veranstaltungen ist der Kontakt zu den Spielern immer intensiver und entspannter. Wir sind deshalb ja auch immer auf kleinen Events wie Bielefeld, Ratingen oder Bremen dabei. Insofern ist auch diese Idee sehr reizvoll, aber ob das dann klappt, hängt ja auch immer von der Planungszeit ab, die in diesem Fall dann schon eher kurz ist.

Herzlichen Dank für deine Zeit und Mühe. Ich wünsche dir und dem ganzen Team von Skellig Games alles Gute für die Zukunft und uns allen viel zu Spielen!

Der Dank geht zurück. Bleibt verspielt!

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