Rezension #5 – Der Fuchs im Wald Duett

Der Fuchs im Wald Duett ist ein kooperatives Stichspiel für exakt 2 Personen im Original erschienen 2020 bei Renegade Game Studios, entwickelt von Foxtrot Games. Die deutsche Version ist 2020 beim Schwerkraft Verlag erschienen. Es handelt sich um eine redaktionelle Arbeit basierend auf dem Design von Joshua Buergel zu „Der Fuchs im Wald“ mit Illustrationen von Roanna Peroz und Grafikdesign von Adrienne Ezell, Jason D. Kinsley sowie John Shulters. Die Rezension basiert auf der bis auf die Sprache natürlich identischen englischen Version – auf deutsch war das Spiel beim Kauf im Spieleladen leider gerade vergriffen.

Regelkunde: Im Duett durch den Wald

Das Grundgerüst von „Der Fuchs im Wald Duett“ bildet ein recht klassiches Stichspiel. Es gibt drei Farben, eine davon ist jede Spielrunde Trumpf und erst wer der durch sein Gegenüber ausgelegten Farbe nicht folgen kann, darf eine andere spielen. Besonderheiten in der Stichfolge wie bei Skull King oder Wizard gibt es nicht direkt. Aber: alle ungeraden Karten haben Sonderfähigkeiten, wobei die Drei jeder Farbe immer die gleiche Fähigkeit besitzt und so weiter. Beispielsweise darf die zweite Person jede Karte spielen, die sie möchte, wenn ich eine Neun spiele. Sie muss sich also nicht an meine vorgelegte Farbe halten. Über die eigenen Karten darf nicht gesprochen werden und so besteht die Schwierigkeit im Spielablauf darin, die richtigen Karten zum richtigen Zeitpunkt zu spielen und dabei den Mitspieler / die Mitspielerin richtig zu deuten.

Wer die 3 gespielt hat geht hier fünf Schritte in seine Richtung

Denn wenn ein Stich gewonnen wurde, kommt die Anzahl der auf den Karten abgedruckten Pfotenabdrücke ins Spiel. Diese werden von beiden Karten addiert, der Gesamtwert genommen um zu bestimmen, wie weit wir in Richtung des Stichgewinners laufen und dort einen Edelstein einsammeln. Sind auf diese Weise alle Edelsteine vom Brett geholt, ist der Sieg unser, Zeit haben wir dafür maximal drei Runden à 11 Stiche, wobei nach jeder Runde wieder ein paar Edelsteine hinzu kommen. Drei Schwierigkeitsgrade (zwei davon werden mit der B-Seite des Brettchens gespielt) sollen für Langzeitmotivation sorgen.

Wer sich nicht versteht, läuft schnell über eine Seite des Pfades hinaus in den Wald und geht dort verloren. Der Teammarker wird anschließend zurück in die Mitte gelegt und der Pfad um ein Feld verkürzt. Sobald die Marker dafür jedoch ausgehen, endet die Partie augenblicklich mit einer Niederlage. Der zweite Fehler, den man machen kann: zu oft auf leere Fehler laufen. Wer bei „Der Fuchs im Wald Duett“ ineffizient spielt, hat keine Chance.

Optik & Qualität: Die Fuchsteller der Dolores Umbridge

Beim Thema grafisches Design bin ich durchaus zwiegespalten. Die Grafiken reichen von charmant-putzig bis zur Katzenteller Optik – je nach Karte und persönlichem Empfinden. Konzeptuell ist sicherlich eine märchenhafte Optik angepeilt, den Stil finde ich aber nicht gerade homogen, was eventuell an den vielen Grafikern liegen mag. Ich habe diese jedoch aus dem Regelwerk übernommen und weiß daher nicht, ob die Kartengrafiken überhaupt von verschiedenen stammen, auch wenn es ein bischen danach aussieht. Vielleicht hat ja auch einer den Font entworfen, ein weiterer den Pfotenabdruck gemalt, der Dritte den Kartenrücken und Nummer Vier am Ende alle Grafiken gezeichnet. Im Regelheft wird zumindest lediglich Roanna Peroz unter Illustratorin genannt, die anderen beim Grafikdesign.

Der Kartenrücken und einige der Illustrationen gefallen mir richtig gut. Schön: selbst für Karten mit gleichen Effekten gibt es eigene.

Zu den etwas kitschigen Füchsen auf den Dreien, einer mittelalterlichen Maid auf den Einsen und einem adeligen Schnösel auf den Neunen gesellt sich – na klar – ein afrikanisches Impala auf den Fünfen. Natürlich spielt das eine deutlich untergeordnete Rolle, schließlich ist ein Thema sowieso nicht vorhanden, auch wenn es ein paar nette Sätzchen im Regelheft gibt, die ein wenig Märchenstimmung beim Lesen aufkommen lassen. Ich möchte den grafischen Stil auch keineswegs verreißen, ich finde ihn selbst allerdings eher mittelprächtig. Ohne Ironie – eben einfach okay, nicht mehr, nicht weniger. Geschmacksache eben. Sicher kann ich nur sagen, meine Omi fände ihn spitze, mir gefällt „Der Fuchs im Wald“ jedoch etwas besser.

Wirklich nicht besonders gut gefällt mir allerdings das Spielbrett oder eher Brettchen. Die Seiten sind identisch (spiegelverkehrt) bis auf die kleinen Symbole, die anzeigen, wie die Edelsteine zu Spielbeginn verteilt werden und den in eine Richtung verkürzten Pfad. Im Grunde handelt es sich um eine colorierte Skizze einer Waldschneise in den Bergen. Naja. Die Qualität der Pappe ist im Übrigen gut, dazu gibt es einen Teammarker aus Holz und eine maximal passable Kartenqualität. 18 Euro dafür halte ich aber für etwas hoch gegriffen. Aber hey, auf Kickstarter wäre der bedruckte Holzmarker ein 200k Euro Stretch Goal. Da hätte es dann aber vermutlich auch Edelsteine aus Kunststoff gegeben.

Die B-Seite des Brettes.

Zufallsfaktor: Die Spieler*innen sind am Steuer

Da sich immer 22 der 30 Karten im Spiel befinden, also mehr als zwei Drittel, ist der Zufallsfaktor relativ gering. Ansonsten würde das Spielprinzip allerdings auch nicht aufgehen. Tendentiell hätte ich den Anteil an im Spiel befindlichen Karten vielleicht sogar noch etwas erhöht. Aber vermutlich hat man sich nach jeder Menge Playtesting mit der Zahl 22 was gedacht. Mir ist es übrigens erstaunlich oft passiert, dass ich eine sehr große Menge Karten der gleichen Farbe auf der Hand hatte. Allerdings gibt es ja durch die Fähigkeiten auch reichlich Möglichkeiten ins Spiel einzugreifen. Logisch, der Zufall kann einem dennoch gewogen sein, oder auch nicht. Unmöglich wird es aber nie, behaupte ich mal.

Fazit & Wertung

„Der Fuchs im Wald Duett“ ist spielerisch höchst spannend und anspruchsvoll. Vor allem in den höheren Schwierigkeitsgraden ist das Spiel mitunter bockschwer, je nachdem wie gut man sich wortlos mit der anderen Person versteht. Da kann es auch mal frustrierend sein, weil man mitunter einen klaren Plan verfolgt, den man aber nicht kommunizieren darf und das Gegenüber ihn einfach nicht versteht oder schlicht einen anderen verfolgt. Desto besser man sich aber kennt, desto häufiger man zusammen spielt, desto besser klappt die Edelsteinjagd aber. „Der Fuchs im Wald Duett“ punktet also meines Erachtens klar beim regelmäßigen spielen mit der gleichen Person. Insgesamt wird hier ein gutes, spannendes Stichspiel geboten, welches endlich einmal keine Pärchen ausschließt. Ohne sie gespielt zu haben beschleicht mich dennoch der Gedanke, dass die originale, kompetitive Version von Joshua Buergel das Spielprinzip besser nutzt.

Pro

  • Erfordert viel Planung und Grübeln…
  • Gelungenes Stichspiel, endlich mal für zwei
  • Angenehm anspruchsvoll
  • geringer Glücksfaktor

Contra

  • …aber eventuell am Gegenüber vorbei
  • zu teuer
  • Brett könnte hübscher sein

7/10

Hinweis: Sehr bald wird mein Wertungssystem dann auch mal umgestellt. Und nächstes mal achte ich auch wieder auf mehr Schärfe bei den Bildern. Versprochen.

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