Rezension #6 – Team 3 (grün)

Ich habe dazugelernt. Mein Wertungssystem geht, wie bei vielen meiner Kollegen nun von 1 bis 6. Ich denke, dass eine gröbere Einteilung mehr der Tatsache gerecht wird, dass die Spielerfahrung maßgeblich auch von den Mitspielenden abhängt, Geschmäcker eben unterschiedlich sind und es durchaus Spiele gibt, die einfach noch viel mehr Partien benötigen um alle Qualitäten zu entfalten. Mit meiner aktuellen Erfahrung kann ich Spiele nicht seriös in 0,1er Schritten auf einer Skala von 1 bis 10 einteilen. Ich spiele viel, aber eben noch nicht einmal zwei Jahre.

Team 3 ist ein kooperatives / kompetitives Geschicklichkeitsspiel von Abacusspiele aus dem Jahr 2019 für, ja, wirklich, ein Team aus genau drei Personen ab 8 Jahren. Illustriert wurde es von Reinis Petersons, das Spieldesign stammt von Alex Cutler und Matt Fantastic (ja ne, is klar.). Die Spielzeit beträgt laut Schachtel 30 Minuten.

Regeln für den Bierdeckel

Ich habe mir vorgenommen, die Regelerklärung deutlich zu verkürzen, das Regelwerk von „Team 3“ lässt mich dies jedoch sicherlich nicht üben – so wenig gibt es dazu zu sagen.

In „Team 3“ werden genau drei Rollen verteilt. Eine Person baut blind bunte Tetris Blöcke aus Kunststoff zu einem Gebilde zusammen und wird dabei von jemandem gecoacht, der / die ihre bzw. seine Informationen dazu von einer schweigenden dritten Person mit Zielkarte bekommt. Da wird dann für gewöhnlich stattdessen gestikuliert und in der Luft gezeichnet. Das war es auch schon, da könnt ihr das Regelheft gleich in der Schachtel lassen. Ach, und offiziell habt ihr drei Minuten Zeit, um das vorgegebene Werk zu erschaffen.

Die Sicht der Architekten

Für die Party im kleinen Kreise?

Im Grunde ist „Team 3“ ein Partyspiel. Für genau drei Personen. Zwar steht auf der Schachtel drei bis sechs, allerdings teilen sich die jeweiligen Rollen dann zwei Personen. Heißt hier im Klartext: die anderen schauen zu. Das schränkt die Möglichkeiten es zu spielen ziemlich stark ein – wir spielen es hauptsächlich, wenn spontan ein*e Freund*in zu Besuch kommt. Das hat dann allerdings zur Folge, dass zwei der drei Personen meist die gleichen sind und man sich bereits viel zu gut kennt. Zwar darf man laut Regelheft als Architekt*in auch Grimassen machen oder klatschen, wieso man so etwas machen sollte, bleibt jedoch offen. Erst vor einer Woche hat mir ein Autofahrer mit einem aus der Faust ragenden Mittelfinger zu erkennen gegeben, dass er mein Fahrmanöver mit dem Fahrrad nicht zu schätzen weiß und vermutlich wäre er nie auf die Idee gekommen, es mir in die Luft zu schreiben. Soll heißen: warum kompliziert, wenn es auch einfach geht, so dass es jede*r versteht? Mir ist es jedenfalls noch nicht geglückt, mit meiner Zunge ein „L“ zu formen oder mit meinem Mund ein „W“. An diese Buchstaben erinnern die Blöcke nämlich. Und so geht man auch schnell darin über, die Formen einfach mit dem Finger auf den Tisch zu zeichnen bzw. als Bauleiter*in sie dem oder der Bauenden entsprechend zu beschreiben. Selbst mit einer wechselnden Zusammensetzung wurde das relativ schnell repetitiv. Auch die komplexeren Gebilde lassen sich mit ein wenig Übung schnell lösen, das Spiel ist mir tendenziell ein wenig zu leicht. „Affenmäßig ausgerastet“ (Regelheft) sind wir jedenfalls eher selten. Außer es gibt auch ruhigere Affen. Vielleicht finnische Affen, die sich eher innerlich freuen.

Variantenreich?

Besser gefallen hat mir die Teamvariante. Für diese benötigt man entsprechend genau sechs Personen und idealerweise ein zweites Spiel. Besitzt ihr lediglich eine Ausgabe, könnt ihr nur im niedrigen Schwierigkeitsgrad, also mit fünf Blöcken pro Team gegeneinander antreten. Da ich nur ein Spiel besitze, kann ich mir nur vorstellen, dass das Spiel durch komplexere Gebilde in der Teamvariante deutlich gewinnt. Bei fünf Blöcken ist die Messe auch gerne mal nach weniger als einer Minute gelesen. Das Team, welches als erstes sechs Bauplankarten gewonnen hat, gewinnt auch das Spiel.

Jetzt habe ich bereits Variantenreich in die Überschrift dieses Absatzes gepackt und habe genau eine präsentiert. Pro Schachtel (grün oder pink) gibt es außerdem noch eine exklusive Mini-Erweiterung. In der grünen Ausgabe ist das „Mind Merge“ für fünf Spieler*innen, die gemeinsam zwei Bauwerke errichten. Dabei baut genau eine Person mit jeweils genau einer Hand ein, wie die Anleitung es ausdrückt, „Gebäude“. Ich würde eher „Gebilde“ verwenden. Jedenfalls gibt es natürlich für jedes dieser… Objekte, eine*n Bauleiter*in und eine*n Architektin / Architekten.

In der pinken Version von „Team 3“ ist statt „Mind Merge“, die Erweiterung „Dimension Tension“ enthalten. Hier wird das Spiel mit wie gehabt drei Personen gespielt, die Bauplankarten liefern jedoch eine Seitenansicht eines dreidimensionalen Gebildes, die ihr nachzustellen habt. Dabei steht euch frei, wie ihr die Blöcke zusammenbaut, es muss lediglich von einer Seite so aussehen, wie auf der Bauplankarte. Das klingt schwierig und spannend!

Wenn der einstürzt sprechen die Spielenden vermutlich alle unterschiedliche Sprachen

Fazit & Wertung

Team 3 ist nicht unbedingt so unterhaltsam , wie ich es mir vorgestellt habe. Was ich mir anhand der Schachtelrückseite und einiger Berichte als lustiges Chaos vorgestellt habe, war meist keines. Wie im Trailer sah es bei uns jedenfalls nicht aus. Zu schnell war klar, wie man Ansagen an den Bauarbeiter / die Bauarbeiterin macht, zu leicht war es zumindest in meinen Gruppen, als Architekt*in dem / der Bauleitenden zu verklickern, wo welcher Block seinen Platz findet. Schon nach wenigen Spielen funktionierte es bei uns nicht mehr so richtig als Partyspiel und wir gingen zum nächsten über. Die benötigte Spielerzahl macht es dabei auch recht unflexibel. Es widerstrebt mir, bei vier anwesenden Personen, eine außen vor zu lassen.

Dennoch hat „Team 3“ uns insgesamt noch gut unterhalten. Es wird, wenn die Personenzahl passt, immer mal wieder heraus geholt und weiß, unter Umständen auch mit etwas Alkohol und in der richtigen Stimmung im Konkurrenzkampf drei gegen drei durchaus zu gefallen. Auch die von mir noch nicht getestete Variante mit fünf Spieler*innen klingt, zumindest für den oder die Bauarbeiter*in, durchaus frisch und herausfordernd. Auch mit Kindern kann ich es mir ob der niedrigen Einstiegshürde und des niedrigen Schwierigkeitsgrades gut vorstellen. Alles in allem bleibt für mich ein solides Partyspiel, welches meinen vielleicht zu hohen Erwartungen nicht vollständig gerecht werden konnte. Vielleicht hätte man ein Fläschchen Schnaps mit in die Box stecken sollen.

Pro

  • witzige Idee…
  • leicht zugänglich
  • für eine Hand voll Partien mit immer neuen Personen durchaus lustig

Contra

  • … die sich bei uns schnell abnutzte
  • zu wenig Chaos
  • zu leicht
  • fortgeschrittene Teamvariante benötigt zwei Spiele

3 / 6 Honigtöpfe

Feste Definitionen der Wertungen folgen noch. Bis dahin: solide!

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