Rezension #7 – Tippi Toppi

Würde ich hier den deutschen TItel dieses kleinen Kartenspiels von Schmidt Spiele bewerten, so wäre ich jetzt sicher nicht euphorisch. „Tippi Toppi“. Das klingt nach Kinder Ausgabe von „Wetten, dass…?“. Nach Zwillingen aus dem Comic Strip einer kostenlosen Supermarkt Zeitschrift. Nach der Antwort meines Vaters auf die Frage „Wie geht’s dir?“. Ok, reicht. Jetzt wird mal eine Runde rezensiert.

„Tippi Toppi“ ist ein kooperatives Kartenspiel für 1 – 4 Spielende ab 8 Jahren von Ken Gruhl, erschienen 2020 bei Schmidt Spiele. Das Original stammt aus dem Jahre 2018 und ist unter dem Namen „Cahoots“ bei Gamewright erschienen. Die Spielzeit beläuft sich laut Schächtelchen auf 20 Minuten.

Der nie sichere Sieg

„Tippi Toppi“ ist schnell erklärt und genauso schnell gelernt. Das Kartendeck besteht aus 56 Zahlenkarten in vier Farben mit den Werten eins bis sieben. auf vier Stapel muss abwechselnd von jedem Mitspielenden genau eine Karte abgelegt werden, um einen Stapel Ziele zu erfüllen, von denen jeweils vier offen ausliegen. Dabei dürfen Karten der gleichen Farbe oder Zahl übereinander abgelegt werden. Je nach gewünschtem Schwierigkeitsgrad ist eine bestimmte Menge Zielkarten zu erfüllen um die Partie zu gewinnen. Die Kommunikation ist, wie üblich bei solchen Spielen, deutlich eingeschränkt. „Ja, also ich habe eine orange Vier und lege die gleich hier drauf und du dann deine Sieben“. Sowas geht natürlich nicht, das wäre vermutlich das fadeste Kartenspiel der Dekade.

Ja, das darf ich. Denn: gleiche Zahl!

Kooperative Zahlenablegspiele sind nicht neu. Ein „The Game“ und ein „The Mind“ schlagen hier sicherlich in die gleiche Kerbe. Was „Tippi Toppi“ frisch macht, sind die wechselnden Ziele. Manche ergänzen sich, andere sind so gar nicht miteinander vereinbar. Und so ist auch nicht jede Partie zu gewinnen, andere sind zu einfach, weil beispielsweise gleich zum Start zwei Ziele erfüllt werden, ohne dass man auch nur eine einzige Karte legen musste. Das Timing der Zielkarten ist alles. Sind die vier ausliegenden Ziele arg widersprüchlich, muss man für jedes eine Menge Karten investieren. Es ist daher durchaus wichtig, genau zu überlegen, welche Ziele sich am besten ergänzen und mit welchen man sich bereits einen Übergang zum nächsten schafft. Auch Ablagestapel dürfen jederzeit durchsucht werden, jede Karte gibt es nämlich genau zwei Mal. Dennoch, jeder Spielende hat vier Karten auf der Hand. Ziehe ich kein Orange, kann ich auch keine Stapel orange färben. Mit dem Zufall muss man also zurecht kommen. Und daher wie bereits erwähnt auch damit, zefix, dass nicht jede Partie zu gewinnen ist, egal wie viele Ziele man sich vornimmt und wie ehrgeizig man ist. Groß gestört hat uns das in unseren vielen Partien aber nicht. Man gibt eben sein Bestes und im fünften Versuch hat man die 22 Zielkarten dann vielleicht mal geknackt und freut sich umso mehr.

Übrigens: Den Aufdruck „Mit Solo Variante!“ hätte man sich schenken können. Alleine spielt man einfach nur, ja, äh, alleine eben. Ohne irgendwelche Änderungen. Und überhaupt, Varianten wie „Enjoy the Silence“, bei der man sich schlicht nicht mehr unterhalten darf, machten uns wenig Spaß. Schweigend Karten ablegen, das funktioniert wohl nur in einem „The Mind“. Und ja bekanntlich auch da nicht für jeden.

Fazit & Wertung

„Tippi Toppi“ bekommt einen festen Platz in meiner Kartenspielsammlung. Ich liebe kooperative Spiele und ich lege gerne Zahlen ab. Die Art und Weise, wie ich dies hier tue, fühlt sich frisch und neu an, ohne die Kommunikation zu stark einzuschränken. Klar, über meine Zahlen und Farben darf ich mich nicht unterhalten. Aber ich darf mitteilen, auf welches Ziel ich mich konzentrieren kann oder möchte und auf welchen Stapel ich legen werde oder gar muss. Daraus dürfen die anderen Personen dann lesen, wie sie mir dabei helfen können. „Tippi Toppi“ erfindet das Rad nicht neu und darf wahrlich nicht mit zu viel Ehrgeiz gespielt werden. Als Optimierer ist man hier falsch, der Zufall spielt eine mehr als ordentliche Rolle. Als Absacker, Reisespiel und mit Gelegenheitsspielern ist „Tippi Toppi“ jedoch uneingeschränkt zu empfehlen. Ein luftig, liebes Kartenspiel.

Pro

  • flott & flüssig gespielt
  • auch zu Zweit gut spielbar
  • 53 verschiedene Ziele

Contra

  • lang nicht jede Partie lässt sich gewinnen
  • Varianten des Regelheftes ein wenig unspektakulär
  • Solo Variante ist keine echte Variante

4 / 6 Honigtöpfe

Bis meine Definitionen fertig sind eine kurze Erklärung dieser Wertung: gut. Sehr elaboriert, ich weiß!

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