Rezension #8 – Calico

Meow. Meow. Meow. Meeeeeeow. MEEEEEEOW. MEOW, MEOW, MEOW, MEEEEEOW. Ach sind Katzen nicht herzallerliebst? Das sanfte Kratzen an der Wohnungstür, wenn sie nicht augenblicklich bei dortigem Erscheinen hereingelassen werden. Die Spur Katzenstreu von ihrer Toilette bis ins Wohnzimmer und auf das Sofa. Fliegen, die Eier auf verschmähtem, teurem Edelfutter hinterlassen. Hach. Stellt euch ein verträumtes Seufzen vor.

Calico ist ein Puzzle Spiel von Kevin Russ, illustriert von Beth Sobel, erschienen bei Flatout Games im Vertrieb über AEG im Jahr 2020 für 1 -4 Spieler ab 14 Jahren. Gespielt wird laut Schachtel 30 bis 45 Minuten. Für diesen Test diente die englische Version als Vorlage. Zwar ist im Moment noch keine deutsche Version angekündigt, jedoch kann ich mir extrem gut vorstellen, dass sich ein Verlag findet. Das Spiel selbst ist sprachneutral, die englische Ausgabe gibt es zB direkt bei AEG, auf der SPIEL.digital ist es für 30€ gelistet, also evtl. auch dort erhältlich.

Nein, ich hasse keine Katzen. Mehrfach war ich in meinem Leben bereits Bediensteter selbiger. Es hat mir auch punktuell Freude bereitet. Und ich finde sie in aller Regel putzig. So hat auch das Schachtelbild in der ersten Kickstarter Kampagne von Flatout Games Wunder gewirkt, um mich von einem Kauf zu überzeugen.

Riesige Decke oder winzige Katzen – sucht es euch aus

Gemütlicher, gemeinsamer Nähabend?

Thematisch gesehen nähen die Spielenden eine Decke, die attraktiv für möglichst viele Kätzchen sein sollte, welche sich dann auf ihr niederlassen. Auf einem doppellagigen Tableau werden nach und nach bunte, gemusterte Hexagons angelegt. Das Spiel endet, wenn das letzte Feld bedeckt ist, es gewinnt derjenige, der die meisten Punkte erpuzzelt hat. Dabei gilt es die Bedürfnisse der Katzen, zum Beispiel vier gepunktete Hexagons in einer Reihe und die der drei zu Beginn des Spiels auf der Decke platzierten Zielplättchen unter einen Hut zu bringen. Zusätzlich gibt es noch ein paar Punkte, wenn ihr es schafft Flecken mit mindestens drei Plättchen einer Farbe zu nähen. Welche Katze welche Muster bevorzugt, weist ihr jede Runde neu zu, auch die Katzen selbst, mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen sind nie alle im Spiel.

Die Zielplättchen variieren, ihr dürft drei aus vier zufällig gezogenen aussuchen. Allerdings sind die Unterschiede nicht weltbewegend. Ein Plättchen möchte beispielsweise, dass sich die sechs es umgebenden Felder aus Plättchen mit nur zwei verschiedenen Mustern oder Farben zusammensetzen. Habt ihr eines davon bewerkstelligt, gibt es am Spielende Punkte, habt gar beides erfüllt, also zwei Farben und Muster, noch ein paar mehr.

Setup für zwei Spieler

Freie Fahrt für Einzelgänger

Man kann ja immer alles in jede Richtung positiv wie negativ drehen. „Calico“ bietet sehr wenig Interaktion. Ihr zieht jede Runde ein Plättchen aus der gemeinsamen Auslage in der Mitte des Tisches und das war es dann auch. Außerdem habt ihr für gewöhnlich bereits genug damit zu tun, eure eigenen Ziele halbwegs erfolgreich zu verfolgen und könnt es euch selten leisten, den anderen Deckennähenden einfach nur etwas wegzuschnappen. Das passiert eher zufällig. Erst mit den beiden Kickstarter Promo-Katzen nimmt die Interaktion zu, da mit diesen Wertungen ins Spiel kommen, um die man konkurriert. Eine enorm unglückliche Entscheidung, gerade diese Katzen nicht in die reguläre Box zu packen. Viele der regulären Fellbälle möchten lediglich mehrere zusammenhängende Felder mit gleichen Mustern. Dafür bietet das Spiel einen unkomplizierten Solomodus, in dem schlicht jede Runde ein Plättchen der Auslage zurück in die Schachtel gelegt wird. Wer gern allein puzzelt, ist in „Calico“ gut aufgehoben.

Die beiden Kickstarter Promo Katzen – die großen Wertungsplättchen sind doppelseitig bedruckt

Allerdings ist der Zufallsfaktor auch durch die winzige Auslage recht hoch. Allein oder zu Zweit ist die Fluktuation noch relativ gering, mit drei bis vier Spielenden ist sie naturgemäß deutlich höher, jedoch ist es dann auch umso wahrscheinlicher, dass jemand ähnliche Pläne wie man selbst verfolgt und zum gewünschten Hexagon greift.

Am Ende des Regelheftes gibt es einige Szenarien, die im Grunde lediglich eine Konfiguration aus Katzen und Zielen vorgeben, die es zu optional zu bewältigen gilt. Auch wird empfohlen, bei geringen Spielerzahlen eine gewisse Anzahl an Plättchen zu entfernen. Unbedingt befolgen.

Ein Tableau bei Spielende: Das Ziel links konnte mit den Farben erfüllt werden (7 Punkte), genauso wie das Rechte (7). Das Obere sogar mit Farben und Mustern (15).

Fazit & Wertung

Einen durchaus kniffligen Puzzler hat Flatout Games mit „Calico“ da geliefert, bei dem ich es nicht bereue, ihn mitfinanziert zu haben. Die Grafiken und Illustrationen von Beth Sobel haben bisher noch alle meine Mitspielenden abgeholt. Erst im Laufe der Partie wurde ihnen dann klar, dass die grauen Zellen harte, unbezahlte Arbeit zu verrichten haben, wenn man nicht gänzlich untergehen will. Dadurch wurde zu Viert auch gelegentlich mal die Grübelzeit zum Problem, auch wenn sich teilweise vorplanen lässt, da das nächste Plättchen sowieso aus den eigenen zwei ausgewählt werden muss. Die Interaktion geht leider gegen null, was das Gefühl verstärkt, zwischen den eigenen Zügen manchmal nur seine Zeit abzusitzen. Auch die Zielkatzen sind mir zu ähnlich. Da wäre mehr Kreativität möglich gewesen, die erst bei den Promo-Katzen durchscheint. Dazu kommt: der Zufall schlägt am Ende oft brutal zu. Ein Plättchen macht oft den Unterschied zwischen Sieg und totaler Niederlage. Wäre in meiner Viererpartie gestern in den letzten sechs Runden wenigstens ein rotes Plättchen oder das Farnmuster gekommen, hätte ich das Spiel gewonnen. So wurde ich Letzter. Mit Abstand. Und dennoch hat mich „Calico“ nicht enttäuscht. Vielleicht muss ich nur früher diverse Ziele angehen, um im späteren Spielverlauf noch flexibler zu sein? Auch nach meinen ersten etwa zehn Partien sehe ich noch Ansätze, die Auswirkungen des Zufalls zu reduzieren – durch eigene Überlegungen. Soll heißen: Vielleicht liegts am Rezensenten!

Pro

  • cleverer Puzzler mit reichlich Zwickmühlen
  • optisch herausragend
  • sehr wertige Komponenten, die beim „Nähen“ ein tolles Gefühl geben
  • funktioniert sehr gut solo oder zu Zweit

Contra

  • enorm solitär
  • zu wenig Varianz
  • recht hoher Zufallsfaktor
  • erst Promo-Katzen bringen mehr Interaktion

4 / 6 Honigtöpfe

Bedeutet: gut. Bessere Definitionen Folgen. Zu viele Baustellen auf einmal hier!

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